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Gibt es ein Gender Pay Gap in der Elektroindustrie?

Der VDE Ausschuss „Studium, Beruf und Gesellschaft“ hat sich im Rahmen seiner Sommersitzung 2021 mit dieser Frage beschäftigt. Hintergrund war eine Studie des DIW, die im Frühjahr 2021 veröffentlicht worden ist. Diese Studie besagt, dass das Gender Pay Gap in Deutschland bei 19 % liegt. Der Ausschuss ist der Frage nachgegangen, ob dies für Elektroingenieurinnen gilt, die in Unternehmen der elektrotechnischen Industrie beschäftigt sind. Eine im Vorfeld der Ausschusssitzung durchgeführte Blitzumfrage unter Mitgliedsunternehmen des VDE wurde mit Erfahrungen und Einschätzungen der Ausschussmitglieder zusammengeführt und entsprechende Empfehlungen abgeleitet.

 

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Situation in der Elektroindustrie.

Die Mitgliedsunternehmen des VDE waren, bedingt durch die Covid-19 Pandemie, im Jahr 2020 zurückhaltend mit Neueinstellungen von Elektroingenieuren und
Elektroingenieurinnen. Seit etwa Anfang 2021 stellen die Unternehmen wieder verstärkt ein. Der Bedarf nach dieser Berufsgruppe ist wie schon in den letzten Jahren ungebremst. Die Unternehmen befinden sich in einem „War for Engineers“. Dies hat zur Folge, dass die Gehälter für Elektroingenieurinnen und Elektroingenieure in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sind.

In tarifgebundenen oder sich an den Tarifen orientierenden Unternehmen ist nach Einschätzung der Ausschussmitglieder bei der Einstellung von Absolventinnen kein Gender Pay Gap zu erkennen. Die Größenordnungen der Einstiegsgehälter sind üblicherweise festgelegt. Unterschiede beruhen auf Qualifikationen (Bachelor, Master, Spezialisierung im Studium) und nicht auf dem Geschlecht oder jeweiligem Verhandlungsgeschick.

Die Entlohnung von E-Ings. orientiert sich im späteren Berufsleben, wenn sie sich im Tarifgefüge bewegen, nach ihren Tätigkeiten, Qualifikationen und Fähigkeiten, das Geschlecht spielt dabei keine Rolle. Hier sind die Führungskräfte und HR-Verantwortlichen gefragt, dass die Tätigkeiten und Fähigkeiten richtig bewertet werden. Gehaltsunterschiede kommen i.d.R. durch längere Auszeiten wie die Elternzeit zustande, die in der Regel von den Frauen wahrgenommen werden. In diesen Zeiträumen ist ein entstehendes Pay Gap damit zu erklären, dass in diesen Zeiten der Gehaltsanstieg flacher verläuft. In den ersten sechs bis zwölf Monaten nach dem beruflichen Wiedereinstieg sollte daher die Einstufung überprüft und ggf. auf das Niveau von in der Tätigkeit und Erfahrung vergleichbaren Personen angepasst werden.

Die Unternehmen haben in den letzten Jahren den Vorteil von gemischten Teams erkannt und fördern dies aktiv. Sie sind daran interessiert, mehr Elektroingenieurinnen für ihre Unternehmen zu gewinnen. Elektroingenieurinnen befinden sich dadurch in besseren Verhandlungspositionen, was sich letztlich auch im Gehalt niederschlägt. Dieses gilt insbesondere für Experten- und Führungspositionen, die sich im außertariflichen Bereich befinden, wo die Gehälter „frei“ verhandelt werden.

Zusammenfassung und Empfehlung des Ausschusses

Bei Absolventen und Young Professionals der Studiengänge „Elektrotechnik und Informationstechnik“ ist ein Gender Pay Gap nicht festzustellen, da die Gehaltseinstufungen von Abschluss und Passung zur Tätigkeit abhängig sind, aber nicht vom Geschlecht.

Nach längeren Auszeiten wie Elternzeit sind Führungskräfte und HR-Verantwortliche gefordert, die Entwicklung der Wiederkehrenden innerhalb des ersten Jahres neu zu bewerten, um das Gehalt entsprechend der Tätigkeit und Erfahrung anzupassen bzw. auf das Level vergleichbarer Mitarbeiter zu heben.

Der Ausschuss erwartet, dass aufgrund des auch zukünftigen Mangels an Elektroingenieuren und Elektroingenieurinnen ein Gender Pay Gap sofern es existiert vernachlässigbar sein wird bzw. Elektroingenieurinnen zukünftig durchaus auch mehr verdienen können als Elektroingenieure, da die Unternehmen den Mehrwert erkennen bzw. erkannt haben, den gemischte Teams mit sich bringen.

 

Frankfurt, im Dezember 2021

Dipl.-Ing. Thoms Hegger
Stv. Vorsitzender
VDE Ausschuss „Studium, Beruf und Gesellschaft“

 

 

Mitwirkende im VDE Ausschuss „Studium, Beruf und Gesellschaft“

Dipl.-Ing. Thomas Hegger - Personalberatung Hegger Riemann & Partner und stv. Vorsitzender
Renate Schuh-Eder - Personalberatung Schuh-Eder Consulting 
Prof. Dr.-Ing. Christian Rehtanz - TU Dortmund
Dipl.-Wirtsch.-Ing Matthias Hilden - Head Of People & Organisation evosoft GmbH